
Seit fast 30 Jahren bearbeiten mein Mann und ich unseren eigenen Garten im biologischen Anbau und
experimentieren gerne mit vielen verschiedenen Gemüsesorten. In den Anfängen haben wir das Saatgut im
Samenhandel erworben und waren oft enttäuscht, dass das Ergebnis und vor allen Dingen der Geschmack nicht
immer unseren Vorstellungen entsprach. Eines Tages bekam ich von meinem Gärtner Selleriepflanzen,
von denen er sagte, dass er sie speziell für unseren hiesigen Boden ausgesucht habe. Und siehe da
in diesem Jahr hatte ich statt der sonst mickerigen Sellerieknollen wunderschöne, dicke, wohlschmeckende
Sellerie. Der Boden ist also ein wichtiger Faktor und vor allem die richtige Sortenauswahl. Ebenso die
Tomaten, jedes Jahr eine Enttäuschung. Egal ob ich Pflanzen kaufte oder aus Samen Pflanzen zog, immer
dasselbe, sie schmeckten nicht und wurden sehr früh von der Braunfäule dahingerafft.
Ich erinnerte mich, dass mein Schwiegervater, der früher einen Gemüseanbau betrieb, Tomaten auf dem Feld
zog und diese hatten ein völlig anderes Aroma und wurden zudem wenn überhaupt, erst sehr viel später von
Braunfäule befallen. Also machte ich mich auf die Suche nach schmackhaften Tomaten. Bei verschiedenen
privaten Samenarchiven (Gerhard Bohl, Manfred Hahm) wurde ich dann fündig und fand sie noch: alte
historische Sorten, über Generationen vererbte Tomatensamen, wilde Tomaten, Johannisbeertomaten,
viele vergessene und verdrängte Sorten. So fand sich aus unserer Region die historische Sorte
"Rheinlands Ruhm" eine reich tragende aromatische Sorte, sowie die ertragreiche "Bonner Beste" die
eine lange regionale Tradition hat. Kleine, birnenförmige, gelbe Obsttomaten, die bereits in Kräuterbüchern
des 16. Jhd. auftauchen, winzige Johannisbeertomaten mit süßlich würzigem Geschmack und die bis zu 3 Meter
hoch werdenden De Berao Tomaten in braun, gelb und gestreift mit sehr guter Braunfäule-Widerstandsfähigkeit.
Der Geschmack hat uns restlos überzeugt. Selbst die Fleischtomaten, die teilweise über 500g schwer waren,
waren so süß, saftig und lecker, dass sie mir fast zum Soße kochen zu schade waren.
Nachdem wir in den letzten Jahren die Tomaten überwiegend im kleinen, selbstgebauten Treibhaus gezogen haben,
sind es mittlerweile so viele Sorten geworden, dass wir einen weiteren Garten nur mit Tomaten bearbeiten,
um herauszufinden welche Tomatensorten in unserer Region am besten gedeihen, und vor allen Dingen am besten
schmecken und welche wie lange der Braunfäule widerstehen. Jedes Jahr kommen neue Sorten hinzu, mittlerweile
sind es über 60! Manche die uns nicht überzeugten, wurden wieder aussortiert und das Gute ist, die Sorten sind
samenecht, so dass man selber Saatgut für den eigenen Anbau gewinnen kann. Da wir von dem Ergebnis unserer
Versuche (sowohl geschmacklich als auch von der Qualität der Pflanzen her) so begeistert waren, möchten wir
mit dieser Seite andere Hobbygärtner anregen, in die große Vielfalt der Sorten einzusteigen und gleichzeitig
mit zu helfen, das Genmaterial dieser alten Sorten durch Anbau zu erhalten und sich weiter entwickeln zu lassen.